Florian Sauerer siegt souverän bei der Bavariade

Landshuter gewinnt den Kraftvielseitigkeitswettbewerb

vor Tobias Stadler und Robert Ossner

 

Der Landshuter Kraftsportler Florian Sauerer triumphierte bei der siebten Austragung des vom Stemmclub Bavaria 20 Landshut veranstalteten Kraftvielseitigkeitswettbewerb, der Bavariade. Mit zwei Einzelsiegen im sechsteiligen Wettbewerb sammelte er in der Gesamtwertung 79 von 90 möglichen Wertungspunkte.  Damit distanzierte er die beileibe nicht schwache Konkurrenz aus dem Bundesgebiet um 17 Zähler.

Olympische Ehren lassen sich mit der Bavariade nicht ernten, die urigen Disziplinen wie Baumstammstemmen, Autoziehen, Schubkarrenfahren, Seilhangeln, Klimmzüge und Liegestütz stehen stellvertretend für einen Kräftevergleich, bei dem die sonst an Maximalleistungen orientierten Schwerathleten Kraftakte über eine gewisse Zeitdauer erbringen müssen. Eigentlich als Gaudiwettbewerb 1993 vom Stemmclub initiiert, entwickelt sich die Bavariade immer mehr zu einer Auseinandersetzung kraftstrotzender Akteure. Innerhalb des 15-köpfigen Teilnehmerfeldes konzentrierten sich die Vorschußlorbeeren auf den Vorjahressieger Robert Ossner aus Landshut. Der 25-jährige Sondermaschinenbauer mit Vorliebe für Bodybuilding, Fitness und Kraftsport stand schon mehrfach in der Staffel des Stemmclub Bavaria Landshut und holte u.a. auch die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Junioren im Kraftdreikampf. Leider war sein Start bis zum Wettkampftag in Frage gestellt, da der Bruch des Mittelhandknochens noch nicht richtig verheilt ist und er sich zudem in der letzten Woche eine fiebrige Erkältungskrankheit eingefangen hatte.

Aber auch im weiteren Teilnehmerfeld findet man namhafte Gewichtheber und Kraftdreikämpfer, die schon Bavariade-Erfahrungen mitbrachten. Der Vorjahres-Dritte, Bernhard Rank aus Wörth, kommt aus den Gewichtheberlager, übt diese Sportart bereits seit 31 Jahren erfolgreich aus. Besonders in den Altersklassen ist der 49 Jahre alte Berufskraftfahrer auf der internationalen Bühne zu Hause, schließlich war er bereits Vize-Welt- und -Europameister, holte schon fünf Mal Bronze bei der EM und ist 8-facher deutscher Meister.

Bereits zum fünften Mal stellte sich der „stärkste Beamte Bayerns“, Stephan Kubitzschek, der Konkurrenz. Im letzten Jahr wurde er punktgleich mit Bernhard Rank auf Rang drei platziert, sein bester Rang bisher.

Einer, der die meiste Erfahrung für diesen Wettbewerb mitbrachte, war Karl-Heinz Wagner. Nur zwei Tage vor seinem 60.Geburtstag (!) stellte sich der Ausnahmeathlet dieser Herausforderung. In seiner aktiven Zeit war er dreimal deutscher Meister im Kraftdreikampf, stellte sogar mit 310,5 kg einen nationalen Rekord auf und hat mit außergewöhnlichen Kraftakten für großes Aufsehen gesorgt. Erwähnenswert ist dabei seine Druckmaschine: ein Ungetüm von einer mit riesigen Schraubenfedern vorgespannten Druckvorrichtung, die vor der Brust gehalten, zusammengedrückt werden musste. Niemand - und darunter waren viele Kapazitäten des deutschen Kraftsportes -  hat das geschafft, was er spielerisch mehrfach ausführen konnte. Noch beeindruckender war sein Wärmflaschentest.  Er war der erste Mensch der Welt, der 2 Wärmflaschen gleichzeitig bis zum Zerplatzen aufblies. Auch im Fernsehen bei der Frank-Elstner-Show „Aber Hallo“ sah man ihn, wie er 17 Getränkedosen innerhalb einer Minute so zusammen drückte, bis sie zerplatzten. Bei der Bavariade war er 1993, 1994 und 1996 jeweils Zweiter hinter Josef Zamecnik.

Keiner von den anderen Teilnehmern nahm schon an der Bavariade teil, aber alle haben mehr oder weniger mit Kraftsport zu tun. Da gibt es einige, die aktiv Wettkampfsport betreiben, wie z. B. die Gewichtheber Michael Winklbauer und Christian Heidl oder die Kraftdreikämpfer Tobias Stadler, Florian Sauerer und Hubert Gastl.

Michael Winklbauer ist Gewichtheber mit Leib und Seele, aber er schaut auch gern über den „Tellerrand“. Der zweifache Gesamtsieger des Spießl-Turniers im Gewichtheben und zweifache deutsche Vizemeister und deutsche Mannschaftsmeisters 1992 und 1993, nahm in diesem Jahr auch schon am internationalen Turnier im Kreuzheben (Bavaria-Cup) teil und hat auch schon wieder seine Meldung für das Spießl-Turnier abgegeben.

Ebenfalls aus dem Gewichtheberlager kommt der 28-jährige Entwicklungsingenieur Christian Heidl. Der zweifache bayerische Meister gehört dem TSV Neufahrn an, hebt aber für Waldkirchen in der 2. Bundesliga.

Die Disziplinen der Bavariade sind für Tobias Stadler nichts Neues, schließlich war bereits bei der deutschen Strongman-Meisterschaft Zweiter (-105 kg)

Eine erfolgreiche Kraftsportbilanz hat auch Sport- und Fitnesskaufmann Florian Sauerer vorzuweisen. Mit seinen 24 Jahren ist er bereits sechsfacher nationaler Titerlträger im Kraftdreikampf, war deutscher Mannschaftsmeister und holte bei der Jugend-WM die Bronzemedaille.

Hubert Gastl aus Augsburg rundet das Teilnehmerfeld der Routiniers ab, denn auch der  25 Jahre alte kaufmännische Angestellter war schon deutscher Vizemeister im Kraftdreikampf.

Wenn auch die restlichen Starter völlige Neulinge im Wettkampfsport waren, so haben sie alle den Kraftsport als Hobby angegeben. Dies sind Manuel Stern (40), Softwareentwickler aus Neufahrn, Toni Bartl (21), Kfz-Mechaniker aus Pfaffenhofen, Christian Weiß (34), Elektroinstallateur aus Augsburg, Maximilian Süß (20), Kaufmann aus München und Martin Hutzl (23), Student der Elektrotechnik aus Pfaffenhofen. Große fachliche Kompetenz brachte der 39-jährige Sportstudiobesitzer Hans Peter Nett aus dem Raum Koblenz mit, der als Junior (U-21) bereits im Tor der Nationalmannschaft stand.

 

Mit dem obligatorischen Baumstammstemmen, bei dem das ca. 50 kg schwere Gerät innerhalb einer Minute so oft als möglich vom Boden bis zur völligen Streckung der Arme über den Kopf gehoben werden musste, startete die erste Runde der Bavariade.

Gleich zum Auftakt legte der Neufahrner Manuel Stern als erster Starter 18 Wiederholungen vor, aber der nächste in der Reihenfolge, Hubert Gastl aus Augsburg, erhöhte auf 20, die Florian Sauerer mit Startnummer 7 einstellte. Tobias Stadler übernahm dann die Führung mit 24 Wiederholungen und die Entscheidung fiel buchstäblich mit dem letzten Starter, Robert Ossner, der 25 mal den Baumstamm in die Höhe wuchtete.

 

Beim Autoziehen war der Vorjahressieger nicht am Start. Die ersten Beiden brauchten über 30 Sekunden und die Entscheidung fiel bereits mit Startnummer 5: Der Koblenzer Hans Peter Nett rannte mit dem 1400 kg schweren Fahrzeug der Firma Arnold in 20,7 Sekunden über die Strecke. Die Plätze zwei bis vier lagen nur jeweils 0,1 Sekunden auseinander.

 

Das schubkarrenähnliche Eisengestell, beladen mit drei Zentnern, bereitete so manchem Teilnehmer Schwierigkeiten beim Schubkarrenfahren, das Feingefühl zwischen Balance und Tempo auf dem Parcour aufzubringen. Hubert Gastl kam nach 30,7 Sekunden als Drittschnellster ins Ziel und Robert Ossner war 0,8 Sekunden schneller. In Topverfassung zeigte sich der Sinzinger Tobias Stadler als Sieger mit 26,2 Sekunden.

 

Nach dem Zwischenstand führte Robert Ossner mit 42 Punkten knapp vor Tobias Stadler (40) und Florian Sauerer (35). Nett (31), Winklbauer (29) und Weiß (28) folgten nach.

 

Beim Seilhangeln mussten sich die Bewerber mit den Händen an dem zwischen zwei Bäumen gespannten Stahlseil entlang hangeln. Fast dreimal so lange brauchte der Letztplatzierte im Vergleich zum Einzelsieger. Fünf Teilnehmer blieben unter 20 Sekunden, die längste Zeit lag bei 40,4 Sekunden und drei Bewerber wurden in dieser Disziplin disqualifiziert, weil sie vom Seil stürzten. Leider war auch der in der Zwischenwertung auf Rang zwei liegende Stadler dabei. Knapper Sieger wurde Florian Sauerer mit 14,6 Sekunden vor Martin Hutzl (15,1) und Karl-Heinz Wagner (18,4).

 

Vor Beginn der Klimmzüge lag immer noch Robert Ossner mit zwei Punkten in Führung vor dem nun aufgerückten Florian Sauerer (50 Punkte) und den in dieser Übung punktlosen Stadler.

Die Strapazen der vorangegangenen Übungen machten sich nun bei einigen bemerkbar. Schwierigkeiten hatte hier lediglich der zweieinhalb Zentner schwere Augsburger Christian Weiß. Winklbauer, Hutzl und Wagner zogen sich 15 Mal nach oben, Modellathlet Sauerer war mit 16 „Zügen“ erfolgreich und das Rennen machte schließlich „Leichtgewicht“ Toni Bartl mit 17 Wiederholungen.

 

Vor der Abschlussübung „Liegestütz“ übernahm nun Sauerer mit 64 Zählern die Führung vor Robert Ossner, der erhebliche Probleme mit der Hand hatte, zumal er sich auch noch beim Seilhangeln einen großen Hautfetzen aus der Handinnenfläche gerissen hatte.

 

Bevor der erste Starter bei der Liegestütz überhaupt antrat, fiel bereits eine Vorentscheidung um den Gesamtsieg. Titelverteidiger Robert Ossner verzichtete aufgrund seiner Verletzungen auf seinen Auftritt. Die Athleten gaben ihr „Letztes“, dennoch flossen zahlreiche Wiederholungen nicht in die Wertung ein, weil der Knopf für den Hupton oftmals mit der Brust nicht richtig gedrückt wurde. Lediglich zwei Teilnehmer blieben unter 30 Ausführungen. Die drittbeste Leistung bot Tobias Stadler (36), Manuel Stern bekam 37 Wiederholungen anerkannt und souverän an die Spitze schob sich Florian Sauerer mit 48 Ausführungen.

Damit gelang ihm in der Gesamtwertung bei seiner ersten Teilnahme der Sprung nach ganz oben. Mit insgesamt 79 von 90 möglichen Punkten steht er nun auf Augenhöhe mit den früheren Gewinnern Josef Zamecnik, Klaus Rost und Robert Ossner. Platz zwei ging an den starken Tobias Stadler, der trotz seines Patzers beim Seilhangeln 62 Zähler erreichte und damit Vorjahresmeister Robert Ossner (57) auf Rang drei verweisen konnte.

Rang vier gab es für das Kraftpaket Hans Peter Nett aus Koblenz mit 55 Punkten und auf Platz fünf mit nur einem Zähler dahinter rangierte Karl-Heinz Wagner aus Wörth, der sich zwei Tage vor seinem 60.Geburtstag damit selber ein tolles Geschenk machte.

Der Münchner Stephan Kubitscheck, der seinen Titel als „Stärkster Beamter Bayerns“ wieder verteidigte, bedankte sich im Namen der Teilnehmer beim Veranstalter.

Um am Ende eine nette sportliche Geste am Rande: Robert Ossner schenkte aus Anerkennung für die herausragende Leistung seinen Pokal dem knapp 60-jährigen Karl-Heinz Wagner.

 

Karl Greiner