Dieter Renn hebt Weltbestmarke beim Bavaria-Cup

 

Gundula von Bachhaus und Matthias Grabe Gesamtsieger – Siegen und

Pfinztal gewinnen Teamwertung

 

Ein Ausnahmeathlet par excellence: Dieter Renn

 

Mit insgesamt 30 Bavaria-Cup-Rekorden, einer Weltbestleistung und vier neuen Gesamtsiegern unterstrichen deutsche, österreichische und schweizer Kraftsportler ihr Leistungsvermögen beim Bavaria-Cup, den der Stemmclub zum  20. Mal veranstaltete. Die frischgebackenen Titelträger sind Gunda Fiona von Bachhaus (FCL Rhein-Main Rüsselsheim) und Matthias Grab (HV Geringswalde), sowie die Mannschaftssieger AC Siegen (Frauen) und Powerlifting Pfinztal (Männer).

 

Bei den Damen konzentrierte sich die Auseinandersetzung um den Gesamtsieg auf die Titelverteidigerin Ana Geitner (Dresden) und auf Gunda Fiona von Bachhaus aus Rüsselsheim. In der Form ihres Lebens zeigte sich die Dresdner Spitzenathletin, brachte alle ihre Versuche durch, steigerte den Bavaria-Rekord in ihrer Gewichtsklasse um 10 kg und erzielte mit 207,9 Relativpunkten bis zu diesem Zeitpunkt die dritthöchste Wertung in der Geschichte des Bavaria-Cups. Dennoch war alles Bemühen umsonst, denn die Superathletin Gunda Fiona von Bachhaus, die in vier Wochen bei den World-Games in Taiwan startet, sicherte sich mit ihrem ersten Versuch am 195 kg mit 208,4 Punkten den Gesamtsieg. Im zweiten Versuch mit 205 kg löschte sie nicht nur die seit 2002 von der Chemnitzerin Michaela Näfe gehaltene Bavaria-Cup-Marke im Leichtgewicht (200 kg), sondern auch mit 219,1 Zählern den Relativgesamtrekord (212,76). Aber damit gab sich das 28-jährige Kraftpaket noch nicht zufrieden und meisterte sogar noch 212,5 kg. Damit hat sie nicht nur ihrer Gewichtsklasse, sondern auch in der Relativwertung (227,12) kaum zu überbietende Hürden geschaffen.

 

In der Männerentscheidung gab es eine faustdicke Überraschung um den von Kurt Kaudelka als Ehrenpreis für den Gesamtsieger kunstvoll gestalteten Bavaria-Löwen.

Eine beachtliche Relativpunktzahl legte der beste Jugendliche, Martin Raich (Imst) mit 172,9 Punkten vor, die der überragende Junior Marcel Hartig aus Jena auf 190,1 anwachsen ließ. In den Altersklassen sah man tolle Resultate, an die vorgelegte Marke kam aber nur AK I - Mittelgewichtschampion Sunday Ehogharukomwen (Dachau) bis auf 0,8 Zähler heran. Die Entscheidung, die man eigentlich in den Schwergewichtsklassen der Aktiven erwartetet, viel bereits viel früher. Gleich in der ersten Veranstaltungsgruppe der Aktiven übernahm der Weimar Mittelgewichtsmeister Peter Schmidt die Führung mit 194,2 kg relativ und auch mit Matthias Grab, dem überlegenen Sieger im Leichtschwergewicht, hatte niemand gerechnet. Als er jedoch zum ersten Versuch mit 300 kg auf der Bühne erschien und auf Anhieb 201,87 Punkte erzielte, kam der eigentliche Favoritenkreis ziemlich ins Grübeln. Der Geringswaldener vergrößerte dann mit 310 kg sein Relativkonto auf 208,6 – und das war, wie sich später herausstellte, bereits der Gesamtsieg.

In der letzten Veranstaltungsgruppe begab sich der eigentliche Favoritenkreis auf eine Aufholjagd, erstes prominentes „Opfer“ wurde der Gesamtsieger von 2004, Jochen Korb aus Strasswalchen. Danach gab es fünf Versuche der „Superschweren“ an 350 kg, wobei Marek Piaseki (Holzheim) noch die besten Chancen gehabt hätte, zum führenden Grab aufzuschließen, zumal er bereits im 2. Versuch an diese Last ging. Es blieb, wie bei bei allen Anderen beim Vorhaben.

Allerdings darf spekuliert werden, welche Aussichten Sergej Moser unter normalen Umständen auf den Gesamtsieg gehabt hätte. Der Nürnberger Superschwergewichtler blieb bei der Anreise in einem Stau stecken und kam 10 Minuten vor Wettkampfende nach Landshut. Die Wettkampfleitung genehmigte ihm außer Konkurrenz seine Versuche durchzuführen. Obwohl er innerhalb der kurzen Zeit noch über die Waage gehen musste, stand er am Veranstaltungsende auf der Bühne und lupfte ohne Warmmachen 330 kg. Gleich darauf zog er 350 kg, verzichtete aber dann auf den dritten Versuch. Damit ließ er den Spekulationen freien Lauf, ob er unter normalem Wettkampfbedingungen die für den Gesamtsieg notwendigen 367,5 kg hätte ziehen können.

 

Die Mannschaftswertung ging bei den Frauen an AC Siegen (440,2), die Pfinztaler (699,75) gewannen bei den Männern.

 

Eine spektakuläre Vorstellung bot der 74-jährige Senior Dieter Renn vom Stemmclub Bavaria 20 Landshut, der in der Altersklasse IV nicht nur seine zwei Jahre alte Bavaria-Rekordmarke im Leichtschwergewicht um 15 kg auf 215 kg steigerte, sondern auch einen inoffiziellen Weltrekord aufstellte – inoffiziell deshalb, weil Weltrekorde nur noch bei Weltmeisterschaften Anerkennung finden.

 

Eine nette Geste leistete sich der Stemmclub, der den Grazer Ronald Sturm als den 2000. Starter beim Bavaria-Cup auszeichnete.

 

Die einheimischen Kraftsportler mischten kräftig mit: TG-Heber Michael Wimmer zog in der Altersklasse I im Leichtgewicht 190 kg und wurde damit Vizemeister, sein Vereinskamerad Juri Makuschkin belegte mit 230 kg im Leichtschwergewicht Rang drei.

Vier Einzelsiege holten die Stemmclub-Akteure: In der Juniorenklasse gewannen Alexander Meier bis 100 kg (230 kg) und Daniel Ginzinger (235 kg) bis 110 kg. Reiner Brandlmeier war in der AK I bis 110 kg mit 280 kg ebenso wenig zu bezwingen, wie Leichtschwergewichtler Dieter Renn in der AK IV mit 215 kg.

Silber holten die Superschwergewichtler Stefan Voss (Junior) mit 175 kg und Michael Heinig (AK I) mit 217,5 kg. Der einzige Aktivenheber, Jan Kiermaier belegte bis 82,5 kg mit 230 kg Rang drei und die Bavaria-Staffel landete in der Mannschaftswertung mit 591,32 Punkten auf dem vierten Platz.

 

Karl Greiner