Das Gewichtheben

Gewichtheben wird auf allen Kontinenten als Wettkampfsportart betrieben. Im Sagen- und Märchenschatz vieler Völker wird von Menschen (meist Königen, Fürsten, Rittern usw.) mit übernatürlichen körperlichen Kräften berichtet. Aus dem Mittelalter ist bekannt, dass verschiedene Städte regelmäßig die Stärksten ihres Berufes ermittelten (vgl. Fässerheben der Brauer). Diese Bestenermittlungen trugen Volksfestcharakter. Das sportliche Gewichtheben hat seinen Ursprung in Frankreich, Deutschland und Österreich. Seit 1880 entstanden Vereine für Schwerathletik in Hamburg, Köln, Duisburg, Frankfurt/M. und Leipzig. Im Jahr 1891 wurde der Deutsche Athletik-Sportverband gegründet. Zur Kraftentwicklung der Anfangsjahre zählten Körperübungen aus verschiedenen Sportarten (Gewichtheben, Ringen, Boxen, Hammer- und Gewichtwerfen, Kugelstoßen, Rundgewichtstemmen). Seit 1896 ist die Sportart Gewichtheben - wenn auch zeitweilig ausgesetzt - Bestandteil des Olympischen Programms. Interessant ist, dass 1896 und 1904 die Medaillen im ein- und beidarmigen Stoßen ohne Gewichtsklasseneinteilung vergeben wurden. Bei den Spielen 1920 war ein Dreikampf (einarmiges Reißen und Stoßen, beidarmiges Stoßen) für 5 Gewichtsklassen ausgeschrieben. Dieser wurde 1924 von einem Fünfkampf (beidarmiges Drücken, Reißen, Stoßen, einarmiges Reißen und Stoßen) abgelöst. Von 1928 bis 1972 stand der Dreikampf (beidarmiges Drücken, Reißen und Stoßen) im Programm. In der Folgezeit wurde u. a. aufgrund oftmals umstrittener Kampfrichterentscheidungen das Drücken gestrichen, ein Zweikampf aus beidarmigem Reißen und Stoßen festgeschrieben und die Anzahl der Gewichtsklassen auf 10 erhöht.

Die Teildisziplinen Reissen und Stossen

Das Reissen:

 

Die Scheibenhantel muss mit einer schnellkräftigen Bewegung (Ausfall- oder Hockstellung der Beine) vom Boden in die Hochstrecke gebracht werden. 

Bodenberührung mit Knie oder Gesäß, Unterbrechung des Bewegungsablaufes, Nachstrecken der Arme und ausbleibendes Fixieren der Hantel zählen als ungültiger Versuch.

Die Aufgabe besteht darin, eine Scheibenhantel mit beiden Armen aus der Bodenlage über den Kopf "zur Hochstrecke" zu bringen.  Die Gewichte sind zu beiden Seiten einer 2,20 Meter langen Stange angebracht, sicher verschlossen und stets auf beiden Seiten gleich schwer. Die Stange hat eine Griffbreite von 1,31 Meter, wiegt 20 Kilogramm und ist im Verschlussteil kugelgelagert. Die Gewichtscheiben sind zwischen 0,25 und 0,5 Kilogramm (nur für Rekordversuche) und bis zu 50 Kilogramm schwer.  Die großen, schweren Scheiben haben einen Gummirand.

 

Das Stossen:

 

Die Hantel wird in der 1. Phase über eine Hock- oder Ausfallsstellung auf der Brust umgesetzt. In einer 2. Phase wird sie durch eine schnellkraftähnliche Bewegung der Arme und mit Hilfe eines Ausfallschrittes zur Hochstreckung der Arme gebracht. Endstellung des Athleten: Füße etwa schulterbreit nebeneinander

Ungültiger Versuch: siehe Reissen, zusätzlich Berührung der Beine mit den Ellbogen in der Hockposition

Bei olympischen Spielen werden Medaillengewinner und Platzierte nur im Zweikampf (Addition der Ergebnisse im Reissen und Stossen) ermittelt, während bei Europa- und Weltmeisterschaften die Besten der jeweiligen Disziplinen zusätzlich geehrt werden. Wird von zwei Gewichthebern exakt die gleiche Masse zur Hochstrecke gebracht, ist derjenige mit dem geringeren Körpergewicht der Besserplatzierte. Jeder Athlet kann im Reissen und im Stossen je 3 Versuche absolvieren. Die Steigerung vom 1. zum 2. Versuch muss mindestens 5 kg, vom 2. zum 3. Versuch mindestens 2,5 kg betragen. Drei Fehlversuche im Reissen oder Stossen ergeben folglicherweise keine Zweikampfwertung.

In beiden Disziplinen wird die Übungsausführung von drei Kampfrichtern bewertet.

 

Gewichtsklassen:

bis 52 kg Fliegengewicht

bis 56 kg Bantamgewicht

bis 60 kg Federgewicht

bis 67,5 kg Leichtgewicht

bis 75 kg Mittelgewicht

bis 82,5 kg Leichtschwergewicht

bis 90 kg Mittelschwergewicht

bis 100 kg 1. Schwergewicht

bis 110 kg 2. Schwergewicht

ab 110 kg Superschwergewicht